Vegan ist hip, vegan macht fit, vegan ist in aller Munde.
Vorsicht! Dies ist ein ganz persönlicher, völlig subjektiver
Erfahrungsbericht, der natürlich wissenschaftliche Erkenntnisse und
medizinisches Wissen außer Acht lässt, und zudem keine moralischen Maßstäbe –
weder an Mensch noch an Tier - anlegt. Ich
bin kein Experte und kein Moralapostel und möchte das auch gar nicht sein.
Leben und leben lassen lautet die Devise und jeder muss das tun, was er selbst
vertreten kann.
So viel zur Warnung, nun aber zum Thema:
In den letzten Wochen häufen sich Videos, Posts und
Erfahrungsberichte von so genannten „Challengern“, die freudestrahlend in die Kamera lächeln,
Foodbilder via Instagramm und Twitter präsentieren, dass einem das Wasser im
Munde zusammenläuft, und die offenbar alle so gar kein Problem mit dem Verzicht
von Fleisch, Wurst, Käse und Milchprodukten haben. Sie alle ernähren sich 30 Tage
lang nach der Methode von Attila Hildmann, der mit seinem Buch „Vegan for fit“
in aller Munde ist.
Hildmann ist der neue Gesundheits- und Ernährungsguru, der
ein gesünderes und besseres Leben durch eine vegane Ernährungsweise verspricht.
Zum Einstieg dient die so genannte Challenge, die sich auch als Abnehm- und
Entgiftungskur eignen soll. 30 Tage lang: kein Fleisch, keine Milchprodukte,
keine tierischen Produkte an sich und dazu kein weißes Mehl und kein
raffinierter Industriezucker. Klingt hart, ist es auch.
Die Teilnehmer der
Challenge sind überwiegend Allesfresser, einige Vegetarier wollen den nächsten
Schritt wagen und ein paar vereinzelte Veganer kämpfen sich sogar auch durch
das Programm. Denn gesund und fit wollen ja schließlich alle sein. Es geht also
um eine vegane Ernährung auf Zeit, oder natürlich auch auf Dauer. Das wollte
ich auch probieren.
Ich beschäftige mich schon lange aus verschiedenen Gründen
mit der industriellen Produktion von Nahrungsmitteln, rein privat, aus
persönlichem Interesse. Wer sich dafür interessiert, dem kann ich nur sämtliche
Bücher von Hans-Ulrich Grimm ans Herz legen, er ist Autor und Journalist,
außerdem Geschäftsführer der Dr. Watson Der Food Detektiv GmbH und Co KG und
hat verschiedene Studien zum Thema veröffentlich. Die meisten seiner Bücher
sind bereits als Taschenbuch erschienen und für weniger als 10 Euro zu
bekommen, antiquarisch sogar noch günstiger.
Ich gehöre grundsätzlich in die Kategorie „Allesfresser“,
jedoch verzichte ich größtenteils auf den Verzehr von Fleisch. Hauptsächlich aus
dem einfachen und völlig egoistischen Grund, dass ich es einfach nicht mag. Andere
Gründe sollen hier keine Rolle spielen. Ich konsumiere täglich verschiedene
Milch- und Tierprodukte (aus biologischer Produktion), bin ein Kohlenhydratjunkie
und obendrauf noch Cola Light süchtig. Außerdem (und wahrscheinlich gerade
deshalb) reagiere ich auf viele Nahrungsmittel mit Unverträglichkeiten. Also
eigentlich prädestiniert für die 30 Tage Challenge.
So viel zur Vorrede
Ende Oktober 2012 kaufte ich mir das Buch „Vegan for fit“ von
Attila Hildmann, nachdem es die liebe Andrea (auf Youtube 007 Morgenstern) in
einem Video vorgestellt hatte und ich bereits verschiedene Artikel dazu gelesen
hatte. Nach verschiedenen Vorbereitungen und Einkäufen ging es für mich und
meinen Liebsten am Montag, den 5. November 2012, los. Er war von Anfang an
begeistert und wollte das Projekt unbedingt mitmachen. Er ist bei so was zum
Glück immer offen und probierlustig, so dass ich mir keine Sorgen um den häuslichen
Frieden am Herd machen musste. Fröhlich gingen wir an unser erstes veganes
Frühstück, das uns auch super schmeckte, doch das erste Problem ließ nicht
lange auf sich warten.
Ich liebe und brauche morgens meinen Milchkaffee und zwar mit
ganz viel Schaum. Mit der gekauften Sojamilch wurde der Schaum erst nicht fest,
schmeckte dann durch die Konsistenz auch noch grauenhaft und von dem milchig,
mehligen Brei musste ich würgen. Das war schon mal nichts. Mit Mittag- und
Abendessen waren wir dann ganz zufrieden. Allerdings plagten mich die ersten
Kopfschmerzen, durch Koffeinentzug und
wirklich satt und befriedigt gingen wir nicht ins Bett. Umso besser war dann
das 2. Frühstück, das wir uns schmecken ließen und weil die Kopfschmerzen noch
immer nicht nachlassen wollten, gab es einen leckeren Kaffee Latte mit
Sojamilch aus unserem Lieblingskaffee um die Ecke. Danach war erst mal die Welt
in Ordnung.
Das Mittagessen ließen wir ausfallen, weil wir ausgiebig
gefrühstückt hatten. Zum frühen Abendbrot hatten wir uns dann ein besonders
lecker aussehendes Gericht mit Zucchini, Mandelmus und Tofu ausgesucht, das uns
auch lecker schmeckte. Leider hielt das nicht lange an und die Kopfschmerzen
waren auch wieder da. Mies gelaunt gingen wir ins Bett und hofften auf das Frühstück.
Das Kaffee- und Koffeinproblem hatte ich am dritten Tag immer noch nicht
gelöst, die Kopfschmerzen begrüßten mich schon bevor ich richtig wach war und
meine Vorfreude auf gepopptes Amaranth und Hafermilch hielt sich auch in
Grenzen. Widerwillig schob ich mir einige Löffel in den Mund und weil ich erst
am Abend arbeiten musste, kroch ich mit Brummschädel wieder ins Bett.
Nach zwei Stunden unruhigem Schlaf stand ich wieder auf,
hatte immer noch Kopfschmerzen und ein unstillbares Verlangen nach etwas Süßem
und einer großen, kalten Cola Light. Hunger hatte ich nicht wirklich, vielmehr
war mir schlecht, also gab es statt Mittagessen einen Shoppingausflug in die
City, der mich auf andere Gedanken bringen sollte. Leider wurde daraus nichts,
denn zu den Kopfschmerzen gesellten sich dann noch Schwindelgefühle, die ich so
sehr ich auch wollte, nicht abschütteln konnte. Meine Laune war immer Keller. Also
ging es im Schneckentempo, mit Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel zurück
nach Hause aufs Sofa, zu mehr war ich nicht mehr in der Lage. Und das wurde
leider auch nicht besser. Am Abend gab es dann leckere Zucchini-Spaghetti mit
Mandelmus, aber der Räuchertofu war nichts für mich. Das hätte ich auch vorher
wissen können, denn Geräuchertes schmeckt mir nie. Ich litt unter heftigen
Entzugserscheinungen und konnte mich selbst nicht mehr ertragen, so launisch
war ich.
An Tag 4 fühlte ich mich schlapp, müde und kraftlos, mein
Körper wehrte sich mit Händen und Füßen gegen ein weiteres veganes Frühstück,
obwohl ich nicht behaupten kann, dass es mir nicht geschmeckt hätte. Zum Mittag
gab es nichts, denn der Appetit auf irgendwas Veganes war total endgültig
verschwunden. Im Lauf des Nachmittags wurde mir dann wieder so schwindlig, dass
ich mich wieder hinlegen musste, aber auch das linderte meine Beschwerden
nicht. Mittlerweile konnte ich mich auf nichts mehr konzentrieren, war aber
auch zu schlapp, um schlechte Laune zu haben. Und gleichzeitig war ich
frustriert, darüber, dass es mir so schlecht ging, darüber, dass es nicht so
lief, wie ich mir das vorgestellt hatte.
Am Abend mussten dringend Kohlenhydrate her, ich aß also
Dinkelvollkornspaghetti mit Tomatensoße und einen grünen Salat mit Tomaten,
Gurken und Essig-Öl-Dressing. Ein völlig „normales Essen“, das trotzdem vegan ist
und im Grunde alle Punkte der Challenge beinhaltet. Diese Nudeln haben mich
gerettet, danach ging es mir endlich besser. Ich konnte wieder klar denken und
traf die Entscheidung, das Experiment für gescheitert zu erklären. Ich konnte
und ich wollte nicht mehr, Kraft und Durchhaltevermögen waren aufgebraucht,
ebenso meine Zeit. Schließlich konnte ich nicht weiterhin „krank“ sein, zuviel
Arbeit war ohnehin schon liegen geblieben. Ich hatte einfach die Schnauze voll
und zwar gestrichen. Ich wollte keinen Tofu mehr, keine Sojamilch und noch
weniger gepopptes Amaranth. War es nicht darum gegangen, sich besser, fitter
und gesünder zu fühlen? Das Gegenteil war der Fall.
Warum ich das hier alles schreibe? Weil ich glaube, dass es
immer zwei Seiten einer Medaille gibt. Weil ich der Meinung bin, dass auch
weniger positive Erfahrungen und Aspekte eines Selbsttestes gesagt werden
sollten. Weil es mit Sicherheit auch andere gibt, für die die Challenge ein
Reinfall war, aus welchen Gründen auch immer. Und weil mein Scheitern im
Selbsttest nicht bedeutet, dass die Challenge keine gute und empfehlenswerte
Sache ist, sondern nur, dass sie für mich, in dieser Form unter den
Voraussetzungen nicht das Richtige war. Und trotzdem habe ich aus der kurzen
Phase vieles mitgenommen.
Reis- und Hafermilch sind eine interessante Alternative zu
Milch. Es kommt jedoch immer auf das Gericht, bzw. die übrigen Zutaten an. Für
unterschiedliche Zwecke eignen sich unterschiedliche Alternativen. Ich benutze
wieder viel mehr Dinkelmehl, auch in Form von Nudeln (warum hatte ich das
überhaupt je aufgegeben?). Alles, was irgendwie gesüßt werden muss, kann mit
Agavendicksaft gesüßt werden. Zucchini- aber auch Möhren-Spaghetti sind ganz
toll und lassen sich auch gut unter „normale“ Pasta mischen. Tofu kann
Hackfleisch durchaus ersetzen, auch wenn ich das schon vorher wusste. Mit
gerösteten Kokosflocken schmeckt jedes Dessert 1000 mal besser. Vegane
Mahlzeiten und sogar ganze Tage sind gut und eine willkommene, gesunde
Abwechslung. Man kann tolle Schokolade selber machen. Und überhaupt lassen sich
viele tierische Produkte durch pflanzliche ersetzen. Und jeder Schritt in die
richtige Richtung ist ein guter Schritt, auch wenn er noch so klein ist.
Viele Grüße
Eure Pinkpetzie

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